Über den überlieferten Ritus

Kaplan Thomas Huber

Kardinal Joseph Ratzinger

Zu den Unterschieden des Taufritus im NO und im überlieferten Ritus.

"Es scheint mir bedauerlich, daß das neue Taufrituale anstelle dieser tiefgründigen Antwort — der Täufling begehre von der Kirche den Glauben und als sein Geschenk das ewige Leben — die banale Aussage gesetzt hat, der Täufling begehre die Taufe ... Mit dieser Änderung von fidem zu baptismum ist die Transzendenz des Vorgangs aus dem Taufgespräch gestrichen; nur noch der empirische Akt der Taufspendung wird als Ziel der Handlung genannt."
(Kardinal Joseph Ratzinger, Theologische Prinzipienlehre, München 1982, 108 Anm. 8).

"Es rührt daher an den Kern der Sache selbst, wenn im neuen Taufrituale die Idee der Stellvertretung kaum noch erkennbar ist, weil man die Eltern nicht mehr antizipativ den Glauben des Kindes bekennen läßt, sondern sie auffordert, in Erinnerung an ihre eigene Taufe ein Glaubensbekenntnis abzulegen. Damit ist der Sinn des Vorgangs bei gleichbleibenden Formeln tiefgehend verändert; die als Erinnerungsakte gekennzeichneten Aussagen stehen in keinem innernen Zusammenhang mehr mit der jetzt stattfindenden Taufe des Kindes."
(Kardinal Joseph Ratzinger, Theologische Prinzipienlehre, Muenchen 1982, 44 Anm. 13).

Über Kritik am überlieferten Ritus.

"Denjenigen, der glaubend und betend an der Eucharistie teilnimmt, muss der Augenblick zuinnerst erschüttern, in dem der Herr herniedersteigt und Brot und Wein umwandelt, so dass sie nun sein Leib und sein Blut werden. Es kann gar nicht anders sein, als dass wir vor diesem Geschehen in die Knie sinken und ihn grüssen."
(Joseph Kardinal Ratzinger, Präfekt der Glaubenskongregation, Der Geist der Liturgie, S. 182)

"Die Ächtung der bis 1970 gültigen Form von Litur­gie muss aufhören. Wer sich heute fur den Fortbestand dieser Liturgie einsetzt oder an ihr teilnimmt, wird wie ein Aussätziger behandelt; hier endet jede Toleranz... Derlei hat es in der ganzen Geschichte nicht gegeben, man ächtet damit ja auch die ganze Vergangenheit der Kirche. Wie sollte man ihrer Gegenwart trauen, wenn es so ist? Ich verstehe, offen gestanden, auch nicht, warum so viele meiner bischöflichen Mitbrüder sich weitgehend diesem Intoleranzgebot unterwerfen, das den nötigen inneren Versöhnungen in der Kirche ohne einsichtigen Grund entgegensteht."
(Joseph Kardinal Ratzinger, Gott und die Welt - Glauben und Leben in unserer Zeit, Ein Gespräch mit Peter Seewald, 2. Aufl., München 2000, S.357)

"Es ist überhaupt nicht einzusehen, was [am alten Ritus] gefährlich oder unannehmbar sein sollte. Eine Gemeinschaft, die das, was ihr bisher das Heiligste und Höchste war, plötzlich als strikt verboten erklärt und das Verlangen danach geradezu als unanständig erscheinen lässt, stellt sich selbst in Frage. Denn was soll man ihr eigentlich noch glauben? Wird sie nicht morgen wieder verbieten, was sie heute vorschreibt?"
(Joseph Kardinal Ratzinger, Salz der Erde, Heyne, 2001, S. 188)

"Es ist gar nicht wahr, dass der vollständige, ununterbrochene laute Vortrag des Hochgebets die Bedingung für die Beteiligung aller an diesem zentralen Akt der Eucharistiefeier sei.... Wer je eine im stillen Kanongebet geeinte Kirche erlebt hat, der hat erfahren, was wirklich gefülltes Schweigen ist, das zugleich ein lautes und eindringliches Rufen zu Gott, ein geisterfülltes Beten darstellte."
(Joseph Kardinal Ratzinger, Der Geist der Liturgie, S. 184f).